Über uns - die Geschichte des Gasthauses "Brauner Hirsch" 

4 Jahrhunderte „Brauner Hirsch“ in Calbe

Erst seit dem 17. Jahrhundert gab es innerhalb der Stadt Calbe Gasthöfe, der erste war der „Braune Hirsch“.

Zwei Höfe für Fernreisende an der jahrhundertealten Nord- Süd- Handelsstrasse zwischen Magdeburg und Halle existierten jedoch schon seit längerer Zeit vor den Stadttoren in den Vorstädten, im Norden der „Goldene Stern“ (heute Schlossstrasse 83) und im Süden der „Goldene Engel“(heute Bernburger Strasse 63). 

Als Gasthof konnte man in der frühen Neuzeit nur eine Beherbergungsstätte bezeichnen, wenn sie eine breite Toreinfahrt und einen Großen – wie der Name schon sagt- Hof besaß.

Alle anderen nannte man bestenfalls Herbergen. Gasthöfe waren quasi die Motels
der Barockzeit.

(Die Toreinfahrt und ein geräumiger Hof für ca. 4 Fuhrwerke sind heute noch zu sehen, wenn auch das Hofinnere im 20. Jahrhundert durch Schuppen und Garagen verbaut wurde.) 

Das Hausgrundstück Markt 13 (alte Zählung 370) lässt sich weit zurückverfolgen.

Es gehörte 1584 einer Witwe Ruchfleck. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag das Haus „wüst“.

1652 erwarb der ehemalige „Wirt vorm Schlosstor“ (gemeint war damit der Wirt des „Goldenen Sterns“), Jacob Brösel, das beschädigte Haus und baute es wieder auf. Der Rat, der am schnellen Wiederaufbau der vielen wüsten Häuser stark interessiert war, gestattete Brösel ein Freibrauen (unversteuerten Verkauf von Bier außer der Reihe), um ihm die Baufinanzierung zu erleichtern. 

1653 war der neue Gasthof fertig und im Mai des gleichen Jahres wurde er eröffnet, damals unter der Bezeichnung „Haus am Markt mit Hof und Ställen“.

2003 konnte also der „Braune Hirsch“ auf 350 Jahre Schankbetrieb zurückblicken. 

Schon 1669 stand der neue Gasthof vor dem Ruin, weil der „Goldene Engel“ in der Bernburger und der „Goldene Stern“ in der Schlossvorstadt eine erdrückende Konkurrenz darstellten.

Um 1675 erholte sich der Markt Gasthof und hatte seit dieser Zeit den Namen „Brauner Hirsch“.

1682 besaß der Bürgermeister Henning Hellmann den „Braunen Hirsch“, der Wirt war August Hoffmann. Trotz besonderer Privilegien, wie das Recht der Ausspannens(Pferde- Wechsels) und der Beherbergung der angeworbenen Soldaten, gingen die Geschäfte weiterhin schlecht. 

1727 beklagte sich die Wirtin der „Braunen Hirsches“, dass sie kaum Gäste habe, weil die Gasthöfe in den Vorstädten eine zu große Konkurrenz darstellten.

In der Zeit als preußische Garnison seit den 1740er Jahren bis 1806 steigerte sich der Umsatz durch die hier einkehrenden Soldaten , Bürger und Reisende hielten sich jedoch wohlweislich fern. Erst seit der Hälfte des 19. Jahrhunderts , als die Bürger das Zusammensein in Vereinen, Diskussionsrunden und Familienkränzchen zu Schätzen begannen und die neuen Fernverkehrsstrassen an Calbe vorbei führten, wurde aus dem barocken Gasthof eine beliebte Bürgerliche Gaststätte. 

Bei umfassenden Rekonstruktionsarbeiten am gesamten Gasthof- Komplex in den Jahren 2002 und 2003 kamen in der Schankstube Trägerbalken mit gut erhaltenen barocken Motiven zum Vorschein, die sicherlich noch von 1653 stammen. Einer der Balken enthielt einen Sinnspruch in Fraktur- Schrift. 

Er lautet:

„Daß ist die beste Einigkeit Wen herz undt mund oberein Sindt allezeit Rede mund was warr ist und Iß was gahr ist und Tringe was klar ist.“
(Das ist die beste Einigkeit, wenn Herz und Mund überein sind alle Zeit, Rede
Mund, was wahr und iss, was gar ist und trinke, was klar ist.)

Dieser Spruch scheint damals populär gewesen zu sein, man findet ihn auch in anderen alten Gaststätten, z.B. im „Roten Hirsch“ in Jena. Während sich im Erdgeschoss des „Braunen Hirsches“ die Schankstube, die Küche, das Heudepot und die Pferde- Stallungen befanden, lagen im Obergeschoss die Kammern für die übernachtenden Reisenden und Fuhrleute. 

In diesem Obergeschoss ist heute die museale „Heimatstube“ der Stadt Calbe untergebracht.